Warum positive leadership nichts mit einer rosaroten Brille zu tun hat...

Zugegeben, am Anfang war ich mir auch nicht so sicher. Als gestandene Betriebswirtin irritierte mich das "positive" an positive leadership und ich war etwas skeptisch. Ich wollte auf keinen Fall "etwas mit Esoterik". Andererseits finde ich es wichtig, dass Mitarbeiter Freude an ihrer Arbeit und die richtigen Rahmenbedingungen dafür haben, ihre Stärken einsetzen können. Also vielleicht doch nicht so verkehrt? Ich entschloss mich, ein Seminar zum Thema positive leadership zu besuchen und mich überraschen zu lassen.

 

Als das Seminar begann, dachte ich im Stillen noch immer, das sei ein "weiches Thema". Umso überraschter war ich dann, als ich feststellte, dass ich die einzige Frau in diesem Seminar war, um mich herum lauter "gestandene" Manager, großteils Inhaber, mittelgroßer Unternehmen aus technischen Branchen genauso wie aus einer Gastronomie-Kette. Ich tat meine Bedenken kund und erntete neben verständnisvollem Lachen auch folgende Antwort: "Wir machen das nicht nur, weil wir nett sein wollen. Wir machen das, weil es sich betriebswirtschaftlich positiv auswirkt, weil wir unsere Mitarbeiter damit halten können und neue Mitarbeiter an uns binden können. Anders geht es bei uns nicht mehr." Ich war verblüfft von der Ehrlichkeit der Aussagen. Grundsätzlich finde ich es ja auch nicht schlecht, wenn man nur nett im Sinne von freundlich und mitarbeiterorientiert sein möchte :-)

 

Dieses Erlebnis hat mich in weiterer Folge davon abgehalten, positive leadership mit dem Blick durch die rosarote Brille in Verbindung zu bringen. Positive leadership besitzt ein solides wissenschaftliches Fundament auf Basis der positiven Psychologie. Versucht man posititiv zu denken, dann glaubt man daran, dass es wirkt. Von der positiven Psychologie und von positive leadership ist wissenschaftlich bewiesen und erforscht, dass es funktioniert.

 

Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel und je früher Führungskräfte lernen, damit umzugehen, umso erfolgreicher werden sie und ihre Organisationen die Zukunft meistern. Vorbei sind die Zeiten, in denen Führungskräfte am besten wußten, was zu tun ist. Durch die Digitalisierung entsteht Expertenwissen, das an einzelne Personen gebunden ist, Aufgabe der Führungskraft ist es, diesen Experten ideale Rahmenbedingungen für ihre Arbeit zur Verfügung zu stellen. Auch die Generation Y bringt autoritäre "Retro-Führungskräfte" von gestern an ihre Grenzen, denn diese Generation von Mitarbeitern läßt sich autoritäre Führung schlichtweg nicht mehr gefallen. Und das ist gut so. Sie möchte in Entscheidungen eingebunden werden, familienfreundliche Rahmenbedingungen und tickt als Digital Natives so ganz anders als manche Generation davor.

 

Was also tun? Ein neues Führungsverständnis ist gefragt und mithilfe des Konzeptes von positive leadership läßt sich vieles in der Mitarbeiterführung neu gestalten – und damit ein neues Rüstzeug für die Zukunft erwerben.

 

Ein Kernelement von positive leadership ist die Orientierung an den Stärken des Mitarbeiters. Gar nicht so einfach, denn in unserer Kultur ist es nicht üblich, sich selbst zu "beweihräuchern", "Eigenlob stinkt" ist ein nach wie vor populärer Spruch. Um das geht es aber auch nicht, erst die Kenntnis unserer eigenen Stärken ermöglicht es uns, auch die Stärken unserer Mitarbeiter oder unserer Organisation zu erkennen.

 

Dennoch konzentrieren wir uns oft mehr darauf unsere Schwächen auszumerzen als unsere Stärken zu fördern. Warum das so ist hat nicht zuletzt auch genetische Ursachen, denn diejenigen Vorfahren, die vorsichtig waren und sich auf Probleme und Gefahren konzentriert haben, haben am ehesten überlebt und sich damit auch fortgepflanzt. Oftmals kennen wir unsere Stärken auch gar nicht, weil wir in einer Fehlerkultur leben. Und manchmal sind die Probleme einfach dringender. Auch wenn es derzeit modern ist, Stärkenmanagement zu betreiben, so ist es nicht ganz neu.

 

Schon 1967 hat Peter Drucker in seinem Standardwerk "The Effective Executive" (und im Jahr 2004 in einem Artikel für den Harvard Business Manager) folgendes geschrieben:

 

"Der effektive Manager nutzt seine Stärken für mehr Produktivität. Um Ergebnisse zu erreichen, müssen wir alle Stärken nutzen, die verfügbar sind - unsere eigene, die Stärken unserer Kollegen und die unserer Vorgesetzten. Genau darin liegen die wahren Chancen. Stärken produktiv zu nutzen, ist der Sinn und Zweck jedes Unternehmens. Auf diese Weise können wir nicht die Schwächen überwinden, die wir alle haben. Aber so können wir sie irrelevant machen."

 

Was würde passieren, wenn Sie Ihre Mitarbeiter "mit der Stärkenbrille" betrachten? Also ganz bewusst den Fokus darauf legen, was Ihre Mitarbeiter ganz besonders gut machen? Wenn Sie sich überlegen, was in der letzten Woche so richtig gut funktioniert hat und warum? Und diese Faktoren stärken, die den Erfolg begünstigt haben statt sicher auch vorhandene Fehler auszumerzen.

Wie beginnen in Ihrem Unternehmen manche Meetings? Erzählen sich die Kollegen genüsslich, was alles schief gegangen ist, was alles besser werden müßte? Wie wäre es, wenn Sie auch hier einmal den Spieß umdrehen und Aktivitäten erzählen lassen, die hervorragend, besser als erwartet gelaufen sind und die Gründe für diesen außerordentlichen Erfolg erforschen und für weitere Projekte verwenden? Setzen Sie positive Erlebnisse als Fixpunkt auf die Agenda für Ihre Meetings! Weitere Elemente von positive leadership sind positive und lösungsorientierte Kommunikation, das Ermöglichen von Flow-Erleben im Beruf sowie das Stiften von Sinn im beruflichen Alltag (ja, auch das soll es geben:-)

  

Neugierig geworden?

 

 

Mehr dazu demnächst....